70 Jahre Flüchtlinge – Waibstadter Zeitreise – wie war das damals?

20. Oktober 2016

Mit fast 100 Personen sehr gut besucht war der diesjährige Info-Nachmittag beim CDU Stadtverband  und so konnte die Vorsitzende Christiane Löffler viele Interessierte im herbstlich geschmückten Josefshaus begrüßen.  Nach einem Grußwort von Bgm. Joachim Locher nahmen die Referenten Walter Schröpfer und  Ottmar Lehmann  die Zuhörer mit auf eine Reise zurück in die jeweilige Heimat in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Die beiden Mitautoren des um die Kerwe erscheinenden neuen Heimatbuches konnten die Gelegenheit nutzen, dieses einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und Reservierungen vorzunehmen.

Wer dachte, Waibstadt sei während der Kriegsjahre im Dornröschenschlaf gelegen, der irrt gewaltig. Hier war richtig was los und die Bevölkerung wurde durch die Vor-/Kriegsereignisse auf Trab gehalten. Evakuierte aus den Großstädten im Rhein-Neckar-Kreis wurden ab 1941 privat einquartiert, brauchten Wohnraum, Arbeit, Versorgung und die Kinder schulische Ausbildung.  Hinzu kamen arbeitsverpflichtete Hilfskräfte, viele Männer waren ja im Krieg eingezogen oder gefallen. Verschiedene Bürgermeister sorgten für Wohl und Wehe der Bevölkerung. Die Bahnlinie stand unter besonderem Beschuß, sie war eine wichtige Nachschubverbindung. Nach dem Krieg hatten die Waibstadter noch die Unterbringung von knapp 1000 Flüchtlingen und 550 Evakuierten aus kriegszerbombten Großstädten zu bewältigen. Es gab kaum Lebensmittel und Vieh, sogar die wertvollen Waibstadter Steckkartoffeln wurden im Winter 45/46 verspeist. In den 50/60er Jahren zeigte das Stadtbild mit den entstandenen Siedlungen der Neuen Heimat die gelungene Integration.  Im Jahr 1953 hatte Waibstadt 3264 Einwohner, 420 Häuser und 7km Straßen.

18 Mitautoren des neu erscheinenden Buches –  Einheimische, Heimatvertriebene und Flüchtlinge, nach Kriegsende aus dem ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten östlich der Oder-Neisse-Linie zugezogen – beschreiben die Erlebnisse der Flucht, Vertreibung, Kriegsgefangenschaft, ihr Ankommen und die Eingliederung in Waibstadt mit damals knapp 350 Wohnhäusern.  Die erste „gemischte Hochzeit“ fand schon im Sommer 1946 statt, die Kirchengemeinden und Vereine erhielten großen Zuwachs. Fotos, original Zeitungsartikel und Schilderungen machten die Anwesenden neugierig auf das voraussichtlich im November fertige Buch, über 100 Vorbestellungen konnte Walter Schröpfer mitnehmen.

Im 2. Teil war die Sanierung des Kirchturmes und den tollen Aufnahmen aus luftiger Höhe im Mittelpunkt. Man konnte auch genau erkennen, wie sich Waibstadt mit den neu hinzugekommenen  Bürgern entwickelte, Siedlungen der Neuen Heimat und Baugebiete entstanden. So wuchs Waibstadt auf fast 1900 Wohngebäude und die verschiedenen Industriegebiete heran. Der alte Ortskern war vom Kirchturm genau zu erkennen. Die umfangreichen Sandsteinrenovierungsarbeiten mit verschiedenen Sanierungstechniken oder Kompletterneuerung einzelner Bauteile durch das hiesige Steinmetzunternehmen LUTZ wurden durch Vorher/Nachher Bilder eindrucksvoll belegt. Der Zahn der Zeit sowie Klima- und Umwelteinflüsse haben manchen Stein zu „Blätterteig“ werden lassen oder einfach gesprengt. Der Turm des 150 Jahre alten Kraichgaudoms blickt nun im neuen Glanz für kommende Jahrzehnte über unsere Heimatstadt.

Technisch perfekt von Herbert Keidel aufbereitet, war die Zeitreise zum Greifen nah. Die aufmerksamen Zuhörer konnten sogar fehlende Namen beisteuern oder  sich selbst, längst verstorbene Vorfahren, Lehrer, Mitschüler oder  Kindergartengefährten auf den alten Fotos erkennen. Erinnerungen an Selbsterlebtes oder von Eltern Gehörtes wurden wach. Viele sagten: „Genauso habe ich es erlebt – so war es damals“. 

Aktuelle Informationen kamen auch nicht zu kurz. Mit seinem Bericht aus dem Gemeinderat zeigte der CDU Fraktionsvorsitzende Kurt Lenz auf, was für „Baustellen“ im Moment bewältigt werden müssen. Es folgte Kreisrat H.W. Riedel für den Rhein-Neckar-Kreis. Nach einem herzlichen „DANKE“  seitens der Vorsitzenden Löffler an die Referenten, die Mitautoren des Buches sowie an Herbert Keidel und Siegbert Guschl für die technische Vorbereitung des Nachmittages, galt es für die tatkräftige Unterstützung der Vorstandschaft mit Kuchenspenden und Küchendienst zu danken. Mit dem Versprechen die Vortragsreihe fortzusetzen, wurde ein interessanter Nachmittag beendet. Chr. Löffler, Vors.

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