Blühflächen im Fokus der Biodiversität – 70 Teilnehmer bei der Informationsveranstaltung des CDU-Stadtverbands

21. Juli 2016

Einen interessanten und lehrreichen Einblick in die Blühflächen im Fokus der Biodiversität erhielten die knapp 70 Teilnehmern bei der Informationsveranstaltung des CDU-Stadtverbandes Waibstadt und des Landwirtschaftsamtes auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Familie Bertsch im Lindenhof in Waibstadt. Kurt Lenz, Sprecher der CDU-Gemeinderatsfraktion Waibstadt, zeigte sich in seiner Begrüßung überrascht über die große Anzahl der Interessierten an dieser Veranstaltung. Sein besonderer Gruß galt dabei dem  CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Albrecht Schütte, dem Ministerialdirigent Joachim Hauck, Abteilungsleiter Landwirtschaft am Ministerium für ländlichen Raum, sowie den Vertretern der Jägerschaft, Imkerei und Landwirtschaft.

Bürgermeister Joachim Locher betonte, dass mit dem Modellprojekt „Runder Tisch Artenvielfalt“  Waibstadt eine Vorreiterrolle übernommen habe, die weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt wurde.

Zu Beginn der anschließenden Felder-Rundfahrt erläuterte  Christina Haessler, zuständig für den Bereich Agrarstruktur und Biotopvernetzung am Landwirtschaftsamt Sinsheim, den Begriff „Biodiversität“. So war zu hören, dass „Biodiversität als die Vielfalt von Leben auf unserer Erde, die Vielfalt an Lebensräumen, den verschiedenen Arten innerhalb dieser Lebensräume, sowie die genetische Vielfalt der Arten untereinander beschreibt.“

Durch Siedlungs- und Straßenbau und Intensivierung der Landwirtschaft gehe Biodiversität verloren.  Christina Haessler stellte klar, dass sowohl die Gesellschaft als auch die Landwirtschaft im gleichen Maße Verantwortung gegenüber der Biodiversität haben und jeder einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten müsse. „Schutz der Biodiversität ist nicht nur Naturschutz, sondern das Bewahren von Lebensgrundlagen und Lebensqualität künftiger Generationen“, unterstrich sie. Für die Landwirtschaft schaffe Biodiversität stabile Ökosysteme, die sich an Umweltveränderungen besser anpassen können.

Mit der aktuellen Agrarreform setzt sich die EU neue Ziele, um den Verlust von Biodiversität zu stoppen. Ziele seien die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, Erhalt räumlicher Ausgewogenheit und Vielfalt ländlicher Gebiete.  Instrumente hierfür seien zum einen das so genannte Greening, bei dem die Landwirte Umweltleistungen erfüllen müssen, um überhaupt Direktzahlungen zu erhalten und zum anderen Agrarumweltprogramme, die freiwillige Leistungen, die über die Grundanforderungen des Greenings hinaus gehen,  für Kulturlandschaft, Umwelt und Klimaschutz würdigt.

Christina Haessler erklärte an vier Standorten, wie diese agrarpolitischen Rahmenbedingungen die Landwirtschaft durch Gestaltung von Blühflächen, Wald- und Gewässerrandstreifen umsetzt.

Auf beeindruckende Art und Weise erklärte sie die Bedeutung ein- und mehrjähriger Blühflächen und deren Wertigkeit für Insekten, Niederwild, sowie als Pufferstreifen entlang von Gewässern, Wäldern und Hecken. Vorrangiges Ziel einjähriger Blühflächen sei die kontinuierliche Bereitstellung von adäquatem Nahrungsangebot  auch während der trachtenarmen Zeit von Juni bis Oktober. Mehrjährige Blühflächen würden nicht nur während der Vegetationsperiode Nahrung und Rückzugort bieten,  sondern stehen auch im Winter als Habitat zur Verfügung.

Im Laufe ihrer Erläuterungen wurde klar, dass die mehrjährigen Blühflächen die besten Lebensbedingungen für Insekten und andere Wildtiere bieten. In den mehrjährigen Mischungen seien sowohl Kulturpflanzen als auch Wildpflanzen enthalten. Doch nicht auf allen Flächen seien mehrjährige Mischungen möglich.  Auf Flächen mit hohem Unkrautdruck wie Ampfer oder Melde haben die langsam wachsenden Wildpflanzen keine Möglichkeit sich zu etablieren.

„Einjährige Blühmischungen haben den Vorteil, dass sie ackerbauliche Maßnahmen ermöglichen, die starken Kulturpflanzen den Boden sofort bedecken und somit vor Unkraut schützen.  Darüber hinaus lockern diese Flächen unsere Kulturlandschaft auf“, so die Expertin abschließend.

Lebhafte Diskussionen, die Live-Übertragung des Fußball-EM-Halbfinalspiels Deutschland gegen Frankreich und ein leibliches Wohl rundeten den interessanten und lehrreichen Informationsabend ab.

Bericht und Fotos: Adam Jäger